SV Sandhausen – Gekämpft wird bis zum Schluss!

Spieler des SV Sandhausen

Zum Start mal eine kleine Frage an alle Fußball-Experten: Was haben Niederkrüchten und Hückeswagen gemeinsam? Okay, das war zu schwer. Also werfen wir noch Boppard, Stadtbergen, Taucha und Riebnitz-Dammgarten mit in den Lostopf? Immer noch keine Ahnung? Dann hier die Auflösung: All‘ diese Städte haben ungefähr genauso viele Einwohner wie Sandhausen – aber neun Jahre weniger in der Zweiten Bundesliga gespielt!

Und bald zehn!

Denn, ja, Layenberger glaubt als Haupt- und Trikotsponsor des SV Sandhausen weiter fest daran, dass die Mannschaft am letzten Spieltag (23. Mai) den Klassenerhalt schaffen wird. Und damit die Erfolgsgeschichte weiterschreibt, die für einen Ort dieser Größe einfach bemerkenswert ist.

(UPDATE: Der SVS hat es geschafft! Platz 15 in der Abschlusstabelle der Zweiten Liga – wir gratulieren herzlich zum Klassenerhalt!)

Nur ganz kurz noch: In Deutschland gibt es 81 Städte mit über 100.000 Einwohnern, aber nur 36 Plätze in den höchsten beiden Fussball-Profiligen. Dass sich Sandhausen in diese Güteklasse hineinkämpfen konnte und sich seit Jahren dort behauptet, ist aller Ehren wert. Dass es über diesen Zeitraum immer auch Höhen und Tiefen gibt, versteht sich von selbst. So ist das Leben eben! Aber nur wer aufgibt, hat verloren. Und das Wort „Aufgeben“ hat im Hardtwald-Stadion Hausverbot!

Holprig war diese Spielzeit, das ist Fakt. Dem 3:2-Auftaktsieg über Darmstadt mit einem Dreierpack durch Neuzugang Daniel Keita-Ruel folgten eine lange Dürrephase. Dazu kamen zwei Trainerwechsel und jede Menge Frust über eine irgendwie verkorkste Saison. Eine Spielzeit, in der die Mannschaft das vorhandene Potential nicht immer abrufen konnte.

Mit der Mentalität eines kleinen gallischen Dorfes …

Aber über die Jahre hat sich dort in Sandhausen die Mentalität eines kleinen gallischen Dorfes entwickelt. Umringt von der TSG Hoffenheim, Mainz 05, Eintracht Frankfurt, dem VfB Stuttgart und dem Karlsruher SC – deren Stadien allesamt in einer guten Autostunde erreichbar sind -, wehren sich die unbeugsamen Gallier Sandhäuser bis zur allerletzten Spielminute gegen einen Wechsel in Liga 3.

Seit Gerhard Kleppinger und Stefan Kulovits gemeinsam das Traineramt übernommen haben, gab es in zwölf Partien fünf Siege und 16 Punkte. Auch von einem Corona-Ausbruch Anfang April ließ sich die Mannschaft nicht aus der Bahn werfen. Direkt im Anschluss an eine 14-tägige Teamquarantäne wurden die zwei wichtigen Siege gegen den Hamburger SV (2:1) und Hannover 96 (4:2) gefeiert.

Angefeuert von den treuen Fans sowie mit dem Trainer-Duo Stefan Kulovits (unten, links) und Gerhard Kleppinger (unten, rechts) schaffte es der SVS, die Abstiegsränge wieder zu verlassen. Fotos: SVS/foto2press

Genau das war die Basis für Platz 15, der so wieder erkämpft werden konnte. Eine durchaus gute mentale Vorarbeit für das anstehende Spiel beim Tabellenführer VfL Bochum. Coach Kleppinger nimmt diesen Fakt genauso wie die Auswärtsbilanz der Sandhäuser (ein Sieg in 16 Versuchen) mit konzentrierter Routine: „Wir wissen ja, dass der Fußball alles ist, nur kein Wunschkonzert. Wenn wir es schaffen, in Bochum seriös zu verteidigen, können wir dort auch einen Erfolg aus der Partie rausziehen.“

Rausziehen – ein sicher zufällig gewähltes Verb. Und doch irgendwie das perfekte Schlusswort für die Saison 2020/21 – den Verein aus dem ganzen Schlamassel heil rausziehen. Um dann die Jubiläums-Saison im Bundesliga-Unterhaus mit neuem Schwung angehen zu können.

Zehn Jahre Zweite Liga, das wäre eine feine, runde Sache. Wir können gerne in Bonn (330.000 Einwohner, ein Zweitliga-Jahr), Lübeck (217.000, vier Zweitliga-Jahre) oder Kassel (202.000, acht Zweitliga-Jahre) nachfragen!

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