Das Leben ist ein Marathon!

Sportfans können den Himmel auf Erden erleben. Bei großen Siegen, bei Meisterfeiern, bei Heldentaten des Lieblingsathleten. Andererseits ist die Hingabe an Tore, Punkte oder Sekunden auch der Highway zur Hölle der Gefühle. Wenn mal nichts geht. Wenn Träume platzen oder die geliebte Mannschaft über Jahre hinweg tiefer und immer tiefer abrutscht.

Aber gerade die Liebe zu einem Verein ist etwas, was sich nicht einfach abschalten lässt. Wer ein echter Fan ist, kann dem Schicksal nicht einfach davonrennen. Oder vielleicht doch?

Bettina Huber (37), glühende Anhängerin des 1. FC Kaiserslautern, mit einer waschechten und fanatischen FCK-Familie im Hintergrund, mit einem Freundeskreis voller Roter Teufel, mit einem Stamm-Stehplatz in der berühmt-berüchtigten Westkurve im Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg, hat das Gegenteil bewiesen. In einem Moment, in dem ihr Klub der vierten Liga und dem finanziellen Desaster entgegen taumelte, machte sie aus ihrem ganzen Frust eine Lust.

Sie rannte in Berlin einen Mutmach-Marathon für den FCK – und viele, viele andere Lautrer Fans liefen in Gedanken mit. Über 73.000 Facebook-Impressions erzielten die Posts auf den FB-Seiten „GYMPER by Layenberger“ sowie „Layenberger&Fans“!

„Verrückt, was meine verrückte Idee ausgelöst hat“, lacht Bettina Huber, die bei jedem Heimspiel ihre Energie von der Westkurve aus in die Mannschaft powert. „Unser Verein hatte im August und September so wenig positive Nachrichten. Ich dachte einfach: Vielleicht kann ich das ja für einen kleinen Moment ändern. Ich wollte einfach für den FCK laufen!“

Ein bisschen Bammel war natürlich dabei, da lässt sie sich gerne auch im Nachhinein in die Seele schauen. „Ich laufe für mein Leben gern. Aber es war mein allererster Marathon, noch dazu in Berlin – das bringt schon Druck mit sich.“

Aber Druck kann eben auch Ansporn sein. Motivation und Energie aufbauen. Bettina Huber hatte sich extra ein Lauftrikot im Stil der aktuellen FCK-Jerseys anfertigen lassen. Rot mit weißem Aufdruck „GYMPER by Layenberger“. Wenn schon, denn schon. Auf den Rücken kam auch noch ein flotter Spruch: „Vor Dir läuft ein GYMPER.“

Und los ging’s auf die legendären 42,195 km durch die Hauptstadt. Auf die von Millionen Zuschauern gesäumte Strecke mit Start und Ziel am Brandenburger Tor. Nein, einfach war es nicht. Aber die typischen, aus großen Lautrer Fußballzeiten bekannten Tugenden – Leidenschaft, Kampfgeist, Durchhaltewillen – halfen ihr, die Herausforderung zu bewältigen. Bei Fritz-Walter Wetter – Bettina: "Ab Kilometer 5 hat es nur noch geregnet." – schaffte sie die gesamte Distanz.

GYMPER by Layenberger würdigte diese Energieleistung und belohnte die Mutmach-Läuferin mit Eintrittskarten für Heimspiele des 1. FC Kaiserslautern. Diese Tickets – eines für jeden absolvierten Kilometer – verteilte Bettina Huber, deren Mutter Helga Vorsitzender des „1. FCK Fanclub Fairplay“ ist, an gehandicapte Menschen oder solche, die durch ehrenamtliche Aufgaben der Gemeinschaft helfen.

Mut machen und den hart erkämpften Erfolg mit anderen teilen. Das sind schon zwei Triumphe dieser verrückten Idee.

Und was den FCK angeht?

10 Spiele, 10 Punkte mit 15:22 Toren vor Bettinas Mutmach-Marathon.

10 Spiele, 19 Punkte mit 21:14 Toren danach bis Weihnachten.

Natürlich ist diese Entwicklung reiner Zufall. Natürlich ist der 1. FC Kaiserslautern noch sehr weit entfernt von vergangener Glorie. Aber irgendwie passt das schon wunderbar zusammen.

Das Leben ist ein Marathon.

Fotos: privat