Fitness auch und gerade jetzt

Teil 1, Profis: Jeder Spieler kann jetzt der beste Athlet werden, der er schon immer sein wollte!

Herr Becker, wie gehen das Trainerteam, die Spieler und Sie mit der aktuellen Situation um?
„Ganz klar, das ist schon eine Herausforderung. Als Trainerteam müssen wir die Spieler ein wenig loszulassen aber doch noch betreuen. Damit jeder auch mit der Situation umgehen kann, aber weiter auch seinen Alltag zu Hause hat. Wir geben natürlich Trainingszeiten vor, aber darüber hinaus gibt es individuelle Programme, die dann jeder Spieler in seinen Tagesablauf integrieren kann.“

Struktur ist doch aber extrem wichtig im Profisport?
„Natürlich. Aber im Moment müssen wir mit weniger Struktur leben und dafür die Eigenverantwortung fördern.  Jeder Spieler kann durch das Kontaktverbot – das absolut richtig und wichtig ist! – zwar keinen Wettkampf bestreiten. Aber jeder Einzelne kann in gerade in dieser Zeit der beste Athlet werden, der er immer schon sein wollte. Wir sagen den Jungs: Du kannst alleine laufen gehen, du kannst dich selber hochheben oder Sachen hochheben, du kannst strukturiert das Beste daraus machen.“

Ohne Rücksicht auf das Abschlusstraining?
„Genau. Ohne den Hintergedanken, dass der Trainer im nächsten Training Deine Skills sehen will. Denn das nächste Mannschafts-Training gibt es im Moment nicht. Und auch nicht den nächsten Samstag, 14 Uhr, Anstoßzeit. Jetzt bist Du für Dich und kannst immer Vollgas geben.“

Also bietet die Krise auch eine Chance?
„Vorsicht! Das ist mir zu banal formuliert. Es ist schrecklich, was gerade auf der ganzen Welt passiert. Auch ohne Ansteckung sind die Auswirkungen auf die Menschen, zum Beispiel durch Jobverlust oder Kurzarbeit, tragisch - und deshalb darf man nicht von einer Chance sprechen. Krisen zwingen einen aber dazu, mal außerhalb der Box zu denken, mal andere Dinge mehr zu gewichten. Neue Wege gehen. Und wenn da etwas Gutes oder Positives dabei ist, dann sollten wir es mitnehmen.“

Sagen Sie uns ein Beispiel?
„Gerade jetzt kann ich vielleicht als Spieler – um es darauf zu fokussieren – mal an meiner Ernährung etwas verändern. Mal probieren, ob ich etwas optimieren kann. Im Liga-Betrieb fällt das viel schwerer. Was, wenn ich erst schwächer werde? Was, wenn es nicht passt? Jetzt kann man Sachen neu denken.“

Sind Sie zufrieden mit dem Team?
„Ja, wir haben natürlich auch Daten, die wir überprüfen können. Wir sagen den Spielern immer: Wenn es dann weitergeht, wird sich zeigen, wer die Pause am besten bewältigt hat. Es ist unser Ziel, dass wir uns durch konzentrierte und motivierte Arbeit womöglich einen Wettbewerbsvorteil herausarbeiten.“

Was sich aber erst dann herausstellen wird, wenn der Ball wieder rollt!
„Umso wichtiger, die Zeit nicht in den 20. Serienteil auf Netflix sondern in den bestmöglichen körperlichen Zustand zu investieren.“

In Teil 2 des großen Interviews gibt Bastian Becker dann nächste Woche Normalbürgern Tips, wie sie in diesen Zeiten ihre Fitness optimieren können.