BBL-Referee Benjamin Barth über die Sehnsucht nach den Fans, ein 100-Selfie-Spiel und die richtige Unterwäsche!

Referee mit Herz: Benjamin Barth aus München.

Herr Barth, warum ist – aus Sicht eines Top-Schiedsrichters – Alba Berlin ein würdiger Deutscher Meister 2020/21!
Benjamin Barth: „Bei Alba sieht man einfach sehr schönen Teambasketball. Man merkt deutlich, dass das Team auch von der Chemie zusammenpasst und den Spielstil, den Trainer Aito verkörpert, auch auf dem Platz umsetzt. Es ist ja kein Zufall, dass Alba in der Euroleague mit dem Preis „Most Fun To Watch“ ausgezeichnet wurde. Dabei auch noch erfolgreich zu sein – das spricht für sich, denke ich!“

In der Finalserie durften endlich wieder durchgehend Fans in die Hallen kommen. Wie haben Sie das erlebt?
„Als riesengroße Erleichterung. Eine hoch emotionale Sache. Es ist, als würde eine Last von uns, vom ganzen Sport genommen werden. Denn irgendwie ist für mich – und sicher nicht nur für mich – die ganze Corona-Zeit ohne Fans sehr komisch gewesen. Unwirklich und belastend.“

Erzählen Sie ein bisschen. Sie waren ja einer der Schiedsrichter beim Finalturnier 2019/20 in München, im „Bubble“. Und nach dem „Bubble“ …
„… ging es immer weiter mit den leeren Hallen. Immer weiter. Es ist nicht so, dass der Sport, die Performance an sich darunter gelitten hätte. Aber das Gefühl war eben weg. Wir haben uns doch alle nicht in den Sport verliebt, in irgendeinen Sport verliebt, um dann in einer praktisch leeren Halle zu spielen.“

Sie sehen das auch als Unparteiischer so? Eigentlich kriegen Sie vom Publikum doch meistens nur die negative Seite ab.
„Das stimmt schon, aber das ist Teil des Jobs sozusagen. Dennoch wird jeder Schiedsrichter sagen: Lieber ein normales, enges, hitziges Spiel in einer prallvollen Halle als die zehn besten Basketballer gegeneinander in einer leeren Arena. Das Fehlen der Fans hat sich wie ein grauer Schleier über die ganze Zeit seit März 2020 gelegt. Hoffentlich, hoffentlich ist das vorbei.“

Absolut! Dennoch ein Nachhaken zum Verhältnis Fans und Schiedsrichter. Bitte nehmen Sie uns mit in Ihre Gefühlswelt.
„Als Schiedsrichter lieben wir den Sport. Wir lieben natürlich ganz besonders unseren Sport Basketball. Dazu gehört die Erwartungshaltung der Fans, das Brodeln einer Halle, das Ungleichgeweicht von 90 Prozent gegen 10 Prozent auf den Rängen. Solange sich alles in einem gewissen Rahmen abspielt, und das tut es ja in über 99 Prozent der Fälle, profitiere ich als Schiedsrichter sogar davon. Wenn ich eine richtig heiße Partie pfeifen darf, dann spüre ich ein ganz besonderes Kribbeln von der ersten Sekunde des Warmmachens. Dann wird die Halle dunkel, die Mannschaften kommen, die Zuschauer flippen aus. Für mich ist das der Moment, zu mir selber zu sagen: Auf geht’s, Benni, jetzt genau kannst Du mal wieder zeigen, was Du kannst.“

Wow, danke für die Gänsehaut.
„Ich war mal in den USA und habe in einem Sport-Shop auch Sachen für Referees gesehen. Da gab es ein T-Shirt mit der Aufschrift ‚You Gotta Love It When They Boo‘ – und da ist etwas Wahres dran.“

Haben Sie nie und nirgends Angst?
„Ich sage mal so: Wenn Du irgendwo bei einem internationalen Spiel mitbekommst, dass sechs oder acht gut ausgerüstete Polizisten rund um den Schiedsrichter-Bereich Aufstellung nehmen, dann löst das schon etwas aus. Großen Respekt vor dem, was passieren könnte – so nenne ich es jetzt mal. Manchmal freut man sich sehr, dass der Veranstalter an einen stabilen, ausfahrbaren Tunnel für uns Schiedsrichter gedacht hat.“

Spaß am Job: Benjamin Brth ist er oft im Gesicht abzulesen.
Spaß am Job: Benjamin Barth ist er oft im Gesicht abzulesen.

Damit dürften wir die Grenze nach unten definiert haben. Was war denn das positivste Erlebnis, das ihnen die Schiedsrichter-Karriere beschert hat?
„Ach, da gab es viele. Jedes umkämpfte Spiel, nach dem du von Spielern und Coaches  ehrliche Komplimente bekommst – und du weißt genau, wenn es ehrlich gemeint ist! – ist ein Highlight. Verrückte Momente gibt es natürlich auch.“

Her damit!
„Ich bin eigentlich sehr gut organisiert, aber ich habe in den ganzen Jahren mit 18 Erstliga-Spielzeiten trotzdem zweimal meine Schiedsrichterhose vergessen.“

Details, bitte!
„Einmal in Ulm habe ich mir das gute Stück per Taxi aus München bringen lassen – das war günstiger als die Strafe zu bezahlen, die fällig wird, wenn man ohne Sponsorenaufdruck das Spiel leitet. Das andere Mal in Berlin habe ich, bis die richtigen Klamotten aus dem Hotel geholt werden konnten, das erste Viertel in meiner dunkelblauen Anzughose gepfiffen. Gemerkt hat es niemand, aber das gute Stück konnte ich danach wegwerfen. Tja, und dann gibt es natürlich auch Risse an unglücklichen Stellen – übrigens ein Grund, warum alle, wirklich alle Schiedsrichter schwarze Unterwäsche tragen.“

Sorry, wir denken gerade an lustige Muster oder grelle Farben und müssen so lachen, dass wir keine Frage stellen können!
„Okay, ein komplett verrücktes Erlebnis habe ich noch: Ich war mal mit Alba Berlin auf einer Turnierreise in China. Und dort natürlich für die Nicht-Alba-Gruppe eingeteilt, die auch nicht in Peking spielte, sondern in der Provinz Heilongjiang ganz im Norden oben an der Grenze zu Russland. Nach dem Spiel kamen die Zuschauer aufs Feld und gefühlt alle zu mir – vermutlich kommen nicht viele Europäer nach Heilongjiang. Ich schätze, dass ich deutlich über 100 Fotos mit Fans gemacht habe. Allesamt super höflich und freundlich – vermutlich hängen die Selfies dort immer noch in ein paar Wohnzimmern.“

Herzlichen Dank für die Anekdoten. Wunderbare Geschichten einer langen Reise …“
„… die mit ersten Versuchen Anfang der 90er-Jahre beim VfB Hermsdorf in Berlin begann und dann ernst wurde mit meinem ersten echten Einsatz in der Turnhalle des Albert-Schweitzer-Oberschule in Neukölln. Ich weiß aber nicht mehr, wer gegen wen spielte.“

Inzwischen wohnen Sie aber längst in München und haben Tausende von Partien geleitet. Da hat sich doch sicher ein Lieblingstyp an Spielern herauskristallisiert. Und vermutlich auch ein Anti-Typ?
„Noch einmal, weil es wichtig ist: Jeder einzelne Schiedsrichter und jede einzelne Schiedsrichterin ist über die Liebe zum Basketball in diese Funktion gekommen. So würde ich auch die Frage beantworten: Ich finde Spieler gut, die unsere Sportart in einer positiven, sportlichen Art leben. Botschafter des Sports, die eine ganze Mannschaft oder einen Standort prägen können. Und ich finde den Spielertyp, der mit allen Tricks den Erfolg erreichen will, mit Flopping und exzessiven Fakes, ohne Rücksicht auf den Geist des Spiels – diesen Spielertyp finde ich eher schwierig. Dennoch wird bei jeder Entscheidung auf dem Parkett der Moment bewertet und nicht die Vergangenheit.“

Benjamin Barth, BBL-Schiedsrichter
Eher Spielmanager als Regelpapst – so sieht sich Benjamin Barth als Schiedsrichter.

Für die positiven Beispiele gibt es doch sicher Namen!
„Gerne. Rickey Paulding in Oldenburg. Per Günther in Ulm. Basti Doreth in Bayreuth. Oder auch Niels Giffey in Berlin. Dazu John Bryant. Es gibt schon wirklich gute Typen in der easycreditBBL. Und artgleiche Spieler, die ich hier vergessen habe, mögen es mir nachsehen.“

Sie haben natürlich auch ein Privatleben und eine Instagram-Seite *mucben*, auf der wir eine ganz besondere Rubrik entdecken konnten …
(lacht) „… ach? Was denn?“

Die Highlight-Sammlung mit dem Titel „Barthendl“ – wir haben sie durchgeklickt und sind begeistert. Gebratene Hühner ohne Ende!
(lacht lange) „Okay. Ich möchte auflösen: Ich wohne in München in der Nähe eines wunderschönen Marktes, der immer am Dienstag stattfindet. Dort gibt es einen Marktwagen mit Brathendl und das gönne ich mir dann eben regelmäßig. Daraus entstanden Fotos und irgendwann dann das Wortspiel einer Freundin mit meinem Nachnamen. Seitdem heißt es eben Barthendl.“

Ganz ehrlich: Wir haben den Gag erst beim dritten oder vierten Mal kapiert.
„Das ist ja das Schöne. Ich freue mich, wenn es funktioniert, und grinse, wenn jemand ganz ernst sagt: Da ist aber ein Schreibfehler drin. Und inzwischen kommen Freunde extra Dienstag zum Barthendl-Stand – das ist doch wunderbar. Hashtag Barthendl …“

Kommen wir noch einmal zurück zum Basketball. Wir als Firma Layenberger sind als Sponsor der easycreditBBL bewusst auf die Trikots der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter gegangen, weil wir bei den Referees ein perfektes Zusammenspiel von körperlicher UND geistiger Fitness sehen. Genau dafür steht auch unsere Marke GYMPER by Layenberger. Wie ist Ihre Einschätzung?
„Erst einmal danke ich, auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen, für die Wertschätzung. Der GYMPER-BBL-Schiedsrichter-Spieltag vor kurzem war eine schöne Botschaft, die bei uns angekommen ist.“

Gerne geschehen!
„Ich persönlich spüre GYMPER als frische, junge Marke – finde mich aber auch in meinem Ü40-Alter darin sehr gut wieder. Das ist jetzt kein Gefälligkeits-Gerede, sondern Fakt: Früher habe ich während der Spiele nur Wasser getrunken. Inzwischen nutze ich eure Amino Powder-Drinks während der Partien und den Refresher-Drink danach. Gerade, weil es von den Aminos verschiedene Sorten gibt, habe ich immer mal wieder was anderes in der Trinkflasche. Und die Gymps zum Snacken sind seit dem Bubble in München auch eine feste Nummer.“

Herr Barth, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch.
Fotos: Bertram Wagner (3)

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